PM Nr.135/07 vom 18.07.2007

Grüne stellen Kultusminister Goebel ein beschämendes Zeugnis aus

Astrid Rothe-Beinlich: Chancengleichheit ist Fremdwort im Thüringer Bildungssystem

Zeitgleich mit der heutigen Zeugnisausgabe an den Schulen in Thüringen stellen BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN dem zuständigen Minister Goebel ebenfalls ein Zeugnis aus.

In der Bewertung heißt es:

"Leider hat sich die bereits in den letzten Jahren festgestellte Reformunwilligkeit des Ministers noch mehr verstetigt. Wider besseren Wissens hält Minister Goebel an einem Schulsystem fest, welches auf Auslese statt die Förderung aller schlummernden Talente setzt. Schon bei der frühkindlichen Bildung hapert es – trotz guter infrastruktureller Voraussetzungen. So fehlt nach wie vor ein verbindlicher Bildungsplan und werden mit der 'Familienoffensive' Kinder eher aus der Förderung gedrängt, statt ihnen die Türen zur Welt zu öffnen. Das dreigliedrige Schulsystem verstärkt zudem massiv die unterschiedlichen Voraussetzungen der Kinder. In keinem anderen Land ist die schulische Erfolgsquote derart von der sozialen Herkunft der Kinder geprägt wie in Deutschland. Chancengleichheit bleibt leider weiterhin ein Fremdwort. Nicht einmal der allerorts beklagte demografische Wandel hat zu der Einsicht verholfen, dass wir es uns gar nicht leisten können, auf die individuelle Förderung auch nur eines Kindes zu verzichten. Weiter geht es bei den Zugängen zur Hochschule. Statt in Thüringen Gebührenfreiheit als Standortfaktor zu etablieren wurden sogenannte Verwaltungsgebühren eingeführt und werden Langzeitstudiengebühren erhoben, die gerade engagierte Studierende mit Kindern treffen. Das Thüringer Hochschulgesetz hat zudem die Mitbestimmungsrechte massiv beschnitten, statt Autonomie Wirklichkeit werden zu lassen. Auch Ausbildungsplätze sind weiter Mangelware. Hinzu kommt - trotz hoher Arbeitslosigkeit – ein schmerzlicher Fachkräftemangel. Lebenslanges Lernen erfordert zudem, dass es Rahmenbedingungen gibt, die dies ermöglichen, aber ein Bildungsfreistellungsgesetz ist ebenfalls nicht in Sicht. Um diesen Missständen spätestens im nächsten Schuljahr begegnen zu können, erfordert es ein Umdenken – und zwar jetzt. Nutzen Sie die Ferien, um künftig derartigen Zeugnissen vorzubeugen – im Interesse der Kinder und Jugendlichen, die unsere Zukunft sind!", schließt Astrid Rothe-Beinlich, Landessprecherin der Thüringer Bündnisgrünen.


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