Bericht BAG Wirtschaft und Finanzen und BAG Ökologie 11./12. Juni 2010

Die gemeinsame BAG Tagung beschäftigte sich unter der Fragestellung "Weg vom Wachstum?" hinsichtlich der Beantwortung in Richtung für ökosoziale Marktwirtschaft und Erreichung der für wichtig und richtig gefundenen Klimaziele. Die derzeitigen Diskussionsgegensätze beim Thema Wachstum gingen auf eine bereits 35jährige Diskussion zurück, dabei ist die Krisenhaftigkeit der letzten 20 Jahre besonders in den Blick geraten. Gemeinsame Blickrichtung im Sinne neuer Denkmodelle wurden in gegensätzlicher Weise nach einem rückblickenden Eingangsstatement von Cem Özdemir und dem Vortrag von Nico Paech angeregt diskutiert. Das Modell von Nico Paech als Professor der Universität Oldenburg wurde zwar für seine Gemeinwohlorientierung vielfach gelobt, kritisch wurde aber seine pessimistische Grundhaltung zum Thema des Erreichens des Zieles auf 100% erneuerbare Energien umzustellen, gesehen. Ralf Fücks, Reinhard Loske und Nico Paech diskutierten die unterschiedlichen Ansätze von Wirtschaftswachstum und Lebensentwürfen und bezogen auf die global zu erreichenden und wünschenswerten Ziele.

Rund um den Wachstumsbegriff und die Schieflage des Begriffes bezogen der leicht zu beeinflussender Einzelgrössen des BIP und sich eben nicht als Vergleich eignender Vergleichgröße besonders im sozialen Sinne durchzogen die Diskussionen auch am Folgetag.

Die Frage des Ansatzes zur Entkoppelung wurde von Regine Günter vom WWF in Richtung Decarbonisierung beantwortet, also mit der globalen Hoffnung auf gleiche Chancen für alle Menschen, wenn die radikale Reduktion der CO2 Emmissionen im Sinne der Verbesserung des ökologischen Fußabdruckes jedes Einzelnen erreicht würden. Sven Giegold kritisierte die wenig ausggearbeitete Sichtweise bezogen auf Glaubwürdigkeitsszenarien hinsichtlich der Kosten und Folgen unter Beteiligungsgesichtspunkten. Hilfreiche Auskünfte können hierzu aus der Broschüre der Heinrich Böll Stiftung zu "Gemeingüter-Wohlstand durch teilen" von Silke Helfrich u.a. gewonnen werden. Demokratische Fragen und Fragen zu Entwicklung von Arbeitsmarktpolitik und neuen sozialen Modellen sind unter Wachstumsaspekten weiter zu diskutieren. Wachstumszwänge im Großen wie im Kleinen abzubauen müssen als Lösungsansätze in ihrer Vermittelbarkeit gegenüber der Bevölkerung und auf die zu erwartenden Ergebnisse weiter diskutiert werden. Ein Beispiel für einen praktischen Ansatz zu Änderungen im Finanzmarkt gab Herr Prof. Huber:

Im Workshop A redete Joseph Huber ausführlich zum Geldsystem unter dem Titel "Der Zins und das Wachstum"  zu seinem Ansatz "Monetäre Modernisierung" ISBN 978-3-89518-792-6 zum Vollgeldsystem. Grob gesagt geht es um die Idee der Einführung von Vollgeld auch für die elektronischen Geldbewegungen auf Konten zwischen Staatsbanken-Privatbanken-Kunden, so wie wir es von Papiergelf und Münzen kennen. Die Wertschöpfung würde lt. Huber den öffentlichen Kassen zufließen, ohne dass die Privaten Banken ihre Gewinne deshabl vollkommen aufgeben müssten.

Im Abschlusspanel wurden die Fragen für die politische Handlungsfähigkeit und den Alltag in allerlei praktischen Beispielen, die sich ähnlich in der Broschüre "Grüner Leben" finden zusammengebunden. Fritz Kuhn, ein Wirtschaftsgeographen und Verfechter von Gemeinwirtschaftsmodellen und Herrmann Ott diskutierten zu neuen Modellen des Gemeinwesens, ebenso wie zu der Notwendigkeit als politisch Verantwortliche eine weithin vermittelbare Vision zu entwickeln. Es wurde mit der gemeinsamen BAG Tagung ein guter Weg beschritten, den es jetzt weiter zu begehen gilt. Gerade den OrganisatorInnen also den SprecherInnen der beiden BAGen (Susan Ünver, Jutta Schiecke, Harald Schwalbe, Stephan Schilling) gilt der besondere Dank. Den zahlreichen und sehr unterschiedliche inhaltliche Schwerpunkte setzende BesucherInnen ist es durch aktive Diskussionen gelungen den längst fälligen Versuch mehrere komplexe Felder grüner Politik einmal wieder zusammen zu denken.

 

Für Fragen steht Beate Wichmann gern zur Verfügung!