Grüner Landesvorstand positioniert sich gegen Gentechnik in der Landwirtschaft

Erfurt, 04.04.2008: Der Vorstand der Thüringer Bündnisgrünen hat auf seiner gestrigen Vorstandssitzung einstimmig einen Beschluss gegen Gentechnik in der Landwirtschaft beschlossen. Der Beschluss lautet:
Gentechnikfreie Landwirtschaft als Standortvorteil
Thüringer Landesregierung muss aktiv werden
Zahlreiche Meldungen aus den weltweiten Hauptanbaugebieten zeigen: Der Einsatz der Gentechnologie in der Landwirtschaft und in der Lebensmittelverarbeitung füllt den Aktionären der Pharmakonzerne die Taschen – die Landwirte bleiben dagegen auf der Strecke. Widerstandsfähige Superunkräuter, giftresistente Insekten, kranke Tiere in Fütterungsversuchen sowie Abhängigkeiten durch Patente und Knebelverträge sind die schmerzhaften Nebenwirkungen, von denen in den Hochglanzbroschüren von Monsanto und Anderen nichts zu lesen ist. So wundert es nicht, dass die Zuwächse im weltweiten Gentech-Anbau fast ausschließlich in Entwicklungs- und Schwellenländern zu verzeichnen sind, in denen die Gentechnikindustrie auf Grund fehlender Gesetze und unzureichender Sicherheitsauflagen völlig "freie Hand" hat.
Anders in den USA und Kanada, wo sich langsam der Gentechnikwiderstand in der Landwirtschaft etabliert und ganz anders in Europa, wo sich Staaten komplett der Risikotechnologie verweigern. Im Prinzip werden im Jahr 2008 Spanien und Deutschland die einzigen EU-Staaten mit nennenswerten Gentech-Anbau sein, wobei es bei uns ein ausgesprochen starkes Ost-West-Gefälle gibt. Während Westdeutschland (mit Ausnahme Bayerns) praktisch gentechnikfrei ist, konzentriert sich der GVO-Anbau im Osten der Republik. Mit einer Ausnahme: Thüringen.
Der Widerstand gegen den Einsatz der Gentechnik in der Landwirtschaft funktioniert in Thüringen. Das 2001 von den Thüringer GRÜNEN mitgegründete "Aktionsbündnis für eine gentechnikfreie Landwirtschaft in Thüringen" "begleitet" etwaige Anbauvorhaben kritisch mit dem Ziel, diese zu verhindern. So konnte der Freistaat bis zum Jahr 2007 frei von kommerziellen Anbau von GVO gehalten werden. Für 2008 gab es im gesetzlich vorgeschriebenen Standortregister zwei Anmeldungen von Agrarbetrieben, von denen der größere (Agrargenossenschaft Großfahner: 18 ha) inzwischen zurückgezogen wurde.
Es besteht also die Chance, dass Thüringen auch 2008 dem Beispiel vieler Staaten und Regionen folgt und eine gentechnikfreie Landwirtschaft, die natürliche und unverfälschte Nahrungsmittel produziert, etabliert. Einzig die Thüringer Landesregierung scheint dies als Standortvorteil noch nicht erkannt zu haben und propagiert die Gentechnik immer noch als Zukunftstechnologie.
Auch BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN Thüringen sind Mitglied im Bündnis und fordern die Thüringer Landesregierung deshalb auf,
- ihren Einfluss geltend zu machen, dass die Agrarprodukte Schmölln GmbH von ihrem Vorhaben, 3 ha gentechnisch veränderten Mais anzubauen, ablässt,
- sich klar zu einer gentechnikfreien Landwirtschaft im Freistaat zu positionieren,
- das "Aktionsbündnis für eine gentechnikfreie Landwirtschaft in Thüringen" und die Etablierung gentechnikfreier Regionen aktiv zu unterstützen,
- sich auf Bundes- und Europaebene für die verbraucherfreundliche Novellierung der Gentechnikgesetze einzusetzen, vor allem in den Bereichen Zulassung und Sicherheitsforschung,
- und Forschung und Lehre in Thüringen auf alternative Verfahren der Biotechnologie und Züchtung auszurichten.
Nur eine gentechnikfreie Landwirtschaft garantiert die Wahlfreiheit der VerbraucherInnen und der LandwirtInnen.
Lesen Sie zu diesem Thema auch: