"Für eine gentechnikfreie Landwirtschaft in Thüringen"

In Buttelstedt im Landkreis Weimarer Land trafen am Donnerstagabend über 100 Menschen zusammen, die der geplante Anbau von gentechnisch-manipuliertem Mais umtrieb. Auf Einladung des Aktionsbündnisses "Für eine gentechnikfreie Landwirtschaft in Thüringen" und der Erzeuger-Verbraucher-Gemeinschaft Weimar e.V. warf zunächst der Film "Die Genverschwörung" einige Fragen auf, die in der folgenden Gesprächsrunde diskutiert wurden. Im Podium saß außer dem Landesvorsitzenden des Thüringer Imkerbundes Frank Reichardt, dem Berufsimker Michael Grolm auch der Landessprecher von Bündnis 90/DIE GRÜNEN Dr. Frank Augsten. Da im Publikum mit Dr. Gerhard Breitschuh vom TMLNU und Dr. Andreas Thierfelder von Monsanto Deutschland auch Experten aus Politik und Chemischer Industrie, sowie der Projektleiter der DLG-Feldtage Dr. Werner Mutz und der Geschäftsführer des Ausrichter-Betriebes der Thüringer Lehr-, Prüf- und Versuchsgut GmbH (TLPVG) in Buttelstedt, Hans-Dieter Zacher, vertreten waren, entspann sich eine lebhafte, teilweise heftige Diskussion.
Der Hintergrund der Veranstaltung war und ist, dass die Deutsche Landwirtschaftsgesellschaft (DLG) in diesem Jahr ihre Feldtage in Thüringen ausrichtet. Vom 24. bis 26. Juni werden tausende Landwirte aus Deutschland und Europa nach Buttelstedt kommen. Demonstriert werden soll neben vielen Neuheiten aus der Pflanzenzucht auch gentechnisch veränderter Mais. Dieser Mais, MON 810, entwickelt von Monsanto, ist auf 250 qm bereits ausgebracht. Er soll bis zum Juni wachsen, sodann abgeschnitten und gehäckselt werden. Der Mais entwickelt ein Gift gegen den Maiszünsler, einen Schädling.
Die Diskussion entspann sich sehr schnell um die Frage: Wem nützt Gentechnik und wem nützt diese Ausbringung ganz konkret? Dabei wies Michael Grolm auf die unzureichende Rechtslage hin. Seine Bienen würden Blüten im Umkreis von 3 Km anfliegen. Der gesetzlich festgesetzte Mindestabstand zwischen gentechnisch-manipuliertem Mais und normalem Mais würde seinen Bienen damit nichts nützen. Wenn sein Honig, 20 Tonnen im Jahr, dann durch gentechnisch-veränderten Pollen verunreinigt würde, wäre er somit unverkäuflich. Auf die Frage, wer denn solchen Honig noch kaufen würde, meldete sich dann auch nur der Monsanto-Sprecher.
Frank Augsten verwies auf die Verwässerung des Gentechnik-Gesetzes durch das Seehofer-Ministerium. Das noch unter Renate Künast (MdB, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) verabschiedete erste Gentechnik-Gesetz sah so klare Haftungsregelungen vor, das kein Landwirt Gentechnikprodukte anbaute. Dies hätte sich jetzt geändert. Trotzdem würden nur 50 landwirtschaftliche Betriebe von über 20000 bundesweit so vorgehen. Kein Wunder, denn über 80% der Bevölkerung würden Gentechnik ablehnen. Wer würde denn eine Bratwurst kaufen, wenn klar wäre, dass die Tiere gentechnisch-verändertes Futter erhalten hätten? Leider ist die Deklarierung hier nicht vorgeschrieben. Man könne aber seit Neuestem und auf Druck von Umwelt- und Verbraucherschutzverbänden und den Grünen auf ein Label "Ohne Gentechnik" achten.
Aber auch hier gelte, daß 0,9 % Verunreinigung, also Gentechnik, zugelassen sei. Absolut ausschließen könne man Gentechnik in Lebensmitteln nur mit Produkten aus ökologischem Landbau.
Frank Augsten erklärte, dass im Juni der Gen-Mais von konventionellem Mais nicht zu unterscheiden sei, und der Maiszünsler in Thüringen eher geringer und im Juni überhaupt nicht aktiv sei. Er verwies auch auf völlig unzureichende Untersuchungen zur Unbedenklichkeit der Produkte.
Welche Schäden denn im Boden entstehen könnten und wie hoch das allergene Potential der Gen-Produkte sei, wurde daraufhin aus dem Publikum gefragt. Und schließlich: Was also nützt dann ein solcher Anbau, schließlich seien die Feldtage so etwas wie eine Messe?
Der Vorsitzende des Imker-Landesverbandes, Frank Reichardt, fasste in einem TA-Interview die Antwort so zusammen: "Aus meiner Sicht geht es bei dem Anbau für Monsanto nur darum, auf Teufel komm´ raus Geld zu verdienen".
Dem bemühten sich der Vertreter von Monsanto und der Vertreter der DLG entgegenzutreten und beriefen sich darauf, dass alles nach Recht und Gesetz ablaufe.
Einen glaubhaften Nachweis, dass die Gentechnik-Produkte von Monsanto keinen Schaden bringen, konnte Dr. Thierfelder aber auch nicht erbringen, schon im Film waren viele Fragen wie fehlerhafte Genehmigungsunterlagen und eine auffällige Verquickung der Biotechnik-Industrie mit den Genehmigungsbehörden aufgeworfen worden.
In seinem Abschlussstatement rief Michael Grolm, auch aus seinen Erfahrungen als Begründer der "gendreck-weg"-Initiative die Bevölkerung auf, sich zu engagieren. Jeder könne, so wie er oder sie es sich rechtlich zutraue, etwas gegen die schleichende Einführung der Gentechnik tun, vom bewussten Einkauf bis hin zum Protest oder zur Feldbefreiung.
Nach dem Ende der Veranstaltung fanden sich ca. 20 Bürgerinnen und Bürger - Landbesitzer, Landwirtinnen, Betroffene - Buttelstedts und einiger Nachbarorte zusammen, um eine Bürgerinitiative zu gründen. Die Kreisverbände von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN Weimar und Weimarer Land werden die Bürgerinitiative in ihrer Tätigkeit unterstützen, wie auch der Landesverband das Aktionsbündnis "Für eine gentechnikfreie Landwirtschaft in Thüringen" weiterhin aktiv unterstützt.