„Willkommen im Billiglohnland“ – Mindestlohnfestival am 13.09.08 in Erfurt

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Astrid Rothe-Beinlich: Arm trotz Arbeit darf nicht hingenommen werden

Am Samstagnachmittag fand auf dem Erfurter Anger das 1. Thüringer Mindestlohnfestival statt. Organisiert wurde das Festival von den Gewerkschaften und von den 3 Parteien, SPD, LINKE und BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, sowie von Attac und dem Offenen Wirtschaftsverband von klein- und mittelständischen Unternehmen, Freiberuflern und Selbständigen in Thüringen (OWUS Thüringen e.V.).

Im ersten Teil des Mindestlohnfestivals spielten Musikgruppen und kamen Betroffene zu Wort, die von ihren Erfahrungen mit geringer Bezahlung berichteten. So wird beispielsweise eine Frisörin in Thüringen mit 3,81 EUR, ein Wachmann mit 4,53 EUR bezahlt.

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"Das Thüringer Wirtschaftsministerium wirbt noch immer mit dem Argument der geringen Tarifbindung, den niedrigen Löhnen, den längeren Arbeitszeiten sowie den besonders anspruchslosen, flexiblen Arbeitnehmern im Freistaat", erklärt Steffen Lemme, Vorsitzender DGB Thüringen.

Auch BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN nehmen die Billiglöhne in Thüringen nicht einfach so hin.

"Viele Menschen können sich und ihre Familie nicht von ihrem Arbeitslohn ernähren, obwohl sie voll erwerbstätig sind. Aber Menschen, die einer Vollzeiterwerbstätigkeit nachgehen, müssen von ihrer Arbeit auch menschenwürdig leben können. Deshalb ist die Zeit reif für die Einführung eines Mindestlohns. Wir wollen zudem, dass auch ArbeitnehmerInnen, die in Branchen ohne Tarifstrukturen tätig sind, zukünftig vor Lohndumping geschützt werden", so Astrid Rothe-Beinlich, Landessprecherin und Bundesvorstandsmitglied von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN.

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"Nur wer respektiert wird und Zugangsgerechtigkeit und Chancengleichheit erfährt, kann teilhaben. Nur wenn die Arbeit, die jede und jeder Einzelne leistet, auch gut bezahlt wird, kann man auf Dauer gut arbeiten und davon leben. Nur wenn soziale Gerechtigkeit in allen Lebens- und Arbeitsbereichen das Handeln bestimmt, kann eine weitere gesellschaftliche Spaltung verhindert werden - in Deutschland, in Europa, weltweit", so Astrid Rothe-Beinlich weiter.

"Es ist auch an der Zeit, die bestehenden geschlechtsspezifischen Entgeltunterschiede abzubauen! Frauen haben ein Recht auf gleiche Chancen und gerechte Bezahlung im Erwerbsleben!", fordert Astrid Rothe-Beinlich.

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An der Autobahn-Abfahrt A 4, hessische Grenze begrüßen Bodo Ramelow (LINKE), Steffen Lemme (DGB), Astrid Rothe-Beinlich (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) und Christoph Matschie (SPD) Reisende im "Billiglohn-Land Thüringen"

"Die Lohnunterschiede für gleichwertige Arbeit zwischen Frauen und Männern stagnieren seit fast 20 Jahren bei über 20%. In Deutschland erhalten Frauen auch über 50 Jahre nach Abschluss der Römischen Verträge im Durchschnitt immer noch 24% weniger Einkommen als Männer. Deutschland liegt damit ganz weit hinten beim europaweiten Ranking. Nun sind die privaten Unternehmen und die Bundesregierung in der Pflicht, Maßnahmen zu ergreifen, um die Gleichstellung auf dem Arbeitsmarkt wirklich voran zu bringen. Die freiwillige Selbstverpflichtung der deutschen Unternehmen ist völlig unzureichend. Hier besteht dringend Handlungsbedarf. Bundes- und Landesregierung dürfen sich daher nicht mehr auf politische Appelle beschränken, sondern effektive gesetzliche Maßnahmen einführen. So ist ein Gleichstellungsgesetz für die Privatwirtschaft längst überfällig", meint Astrid Rothe-Beinlich abschließend.