PM Nr.224/08 vom 09.10.2008

Naturschutz lebt vom Handeln - nicht vom Reden

Dr. Frank Augsten: Erhalt der Kulturlandschaft ist auch ein Handlungsfeld der Tourismusplanung

Zu der Aussage von Ministerpräsident Dieter Althaus "Der Naturschutz nimmt seit Jahren einen hohen Stellenwert ein", sagt der Landessprecher der Thüringer Bündnisgrünen Frank Augsten:

Das Loblied, das unsere Landesregierung im Rahmen des Deutschen Landschaftspflegetages 2008 in Eisenach gesungen hat, ist blanker Hohn, wenn man bedenkt, dass erst vor einem Jahr die Naturschutzverwaltung in Thüringen mit der Auflösung der Abteilung Naturschutz und Forsten im Umweltministerium zerschlagen wurde. Diese systematische Demontage der Umweltverwaltung hat sich mit der Auflösung der Staatlichen Umweltämter in diesem Jahr fortgesetzt.

Anstatt konsequent zu handeln, beschränkt sich die Landesregierung weitgehend auf Sonntagsreden und handelt im Schneckentempo. So liegt die Umsetzung fachlich fundierter Managementpläne für die FFH-Gebiete im Freistaat weiterhin brach.

Der touristische Reiz vieler Regionen in Thüringen basiert auf einer von Menschenhand geschaffenen Kulturlandschaft. Ohne die extensive Landwirtschaft verlieren wir diese reich strukturierten Landschaften und damit auch den Reiz für den Tourismus.Damit ist auch der Erhalt und die Optimierung einer touristisch reizvoller Regionen zu einem der wichtigsten Handlungsfelder der Tourismusplanung geworden, was allerdings bisher in der realen Planungspraxis nicht zum Ausdruck kommt.

Welchen Stellenwert Naturschutz und Tourismus im Freistaat wirklich einnehmen, zeigt ebenso die geplante Rhöntrasse, besser gesagt Transitstrecke, durch das Biosphärenreservat Rhön. Die Auseinandersetzungen zwischen Naturschutz und Straßenbau gleicht dem Kampf zwischen David und Goliath. Dagegen wurde die einzige Zugstrecke im thüringischen Teil des Biosphärenreservates von Bad Salzungen nach Kaltennordheim schon lange stillgelegt. Nachhaltige Verkehrs- und Tourismusförderung sieht anders aus.

Auch die hessische Verwaltungsstelle hat gestern nochmals auf das Kernzonendefizit im Biosphärenreservat hingewiesen, was zur Aberkennung des Prädikates durch die UNESCO 2013 führen kann. Wir irren nicht zum wiederholten Mal, wie es kürzlich in einer Pressemitteilung des Thüringer Umweltministeriums hieß, sondern sehen hier großen Handlungsbedarf bei der Thüringer Landesregierung für den thüringischen Teil des Biosphäresegnreservates. Fakt ist: Der Freistaat Thüringen hat das Naturpotenzial, seinen Kernzonenanteil auf mindestens 3 Prozent zu erhöhen. Dort sind nicht nur Bayern und Hessen in der Pflicht!

Das Land Thüringen, das eine große Verantwortung für den Naturschutz hat, muss endlich seine Hausaufgaben machen und das notwendige Fachpersonal bereitstellen. Doch obwohl die Aufgaben immer komplexer werden, spart die Landesregierung in diesem Bereich. Die Naturschutzverwaltung des Landes ist chronisch unterbesetzt. BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN fordern deshalb mehr Personal, mehr Mittel und mehr Kompetenzen für den Naturschutz im Freistaat bereitzustellen. Dazu zählen z.B. jeweils eine Stelle in den Bereichen Forschung und Umweltbildung/Tourismus zur Stärkung des Nationalparks Hainich.


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Mario Amling
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