Mitte-Deutschland-Verbindung: Grüne kritisieren Desinvestitionspolitik der Deutschen Bahn
Astrid Rothe-Beinlich: Rückbau vor Ausbau?
Die Deutsche Bahn AG plant den massiven Rückbau von Infrastruktur im Bahnhof Göschwitz. So soll neben Rangiergleisen auch das jetzige Richtungsgleis Erfurt – Gera dem Abbauzug zum Opfer fallen. Die kapazitätsmindernden Rückbau- und Stilllegungsmaßnahmen, die in Verbindung mit der Errichtung eines elektronischen Stellwerks stehen, hat Ende Oktober das Eisenbahn-Bundesamt öffentlich bekannt gemacht, das als Aufsichtsbehörde über die Zulassung entscheidet.
Der Landesverband der Thüringer Bündnisgrünen hält die von der Deutschen Bahn vorgesehenen Kapazitätsverringerungen im Bahnhof Göschwitz für verkehrspolitisch kontraproduktiv. "Der geplante Rückbau von Schieneninfrastruktur in Göschwitz konterkariert die jahrelangen Anstrengungen von Bund, Land und Kommunen zum Ausbau der Mitte-Deutschland-Verbindung. Insbesondere der Abbau des Bahnsteiggleises 5 würde sich negativ auf die Streckenleistungsfähigkeit und die Fahrplanstabilität auswirken. Hier wird quasi mit Bundesmitteln ein betrieblich neuralgischer Punkt geschaffen", kritisiert Astrid Rothe-Beinlich, Landesprecherin von BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN in Thüringen, die Desinvestitionspolitik der DB Netz AG.
Aus Sicht der Bündnisgrünen ist das Vorgehen des Bahnkonzerns umso unverständlicher, da bis 2013 der Abschnitt Weimar – Stadtroda für 50 Millionen Euro durchgehend zweigleisig ausgebaut werden soll. Das Land plant nach dem Ausbau einen Halbstundentakt zwischen Erfurt und Göschwitz.
"Vor dem Hintergrund der Angebotsausweitungen, die im Nahverkehrsplan verankert sind und die wir ausdrücklich begrüßen, erscheint die Rückbaupolitik in Göschwitz geradezu grotesk. Ein stark ausgeweitetes Nahverkehrsangebot trifft dann auf eine weniger leistungsfähige Infrastruktur. Die betriebliche Bedeutung des Bahnhofs Göschwitz wird zunehmen, da mit dem Halbstundentakt zusätzliche Züge in Göschwitz enden bzw. beginnen. Die heute vorhandenen drei Bahnsteiggleise werden dann dringend gebraucht. Im Falle des Rückbaus auf zwei Gleise fehlen die gerade bei Verspätungen notwenigen Redundanzen – das gesamte Fahrplangefüge würde so destabilisiert", verdeutlicht Astrid Rothe-Beinlich die konkreten Auswirkungen des Gleisrückbaus.
"Wir fordern Verkehrsminister Wucherpfennig auf, seinen Einfluss gegenüber der DB geltend zu machen, um die Zerstörung unverzichtbarer Infrastruktur auf der Mitte-Deutschland-Verbindung zu verhindern", appelliert die Landessprecherin der Thüringer Bündnisgrünen an die politische Verantwortung des thüringischen Verkehrsministers.
Stefanie Dolling
Lutherstraße 5 - 99084 Erfurt
Tel.: 0361-5765037
Fax: 0361-5765035