PM Nr.274/08 vom 25.11.2008

Landesregierung muss beim Ökolandbau Farbe bekennen - Das beste Bio kommt aus der Region

Am 26.11.2008 werden sich Akteure des Ökolandbaus aus Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen zum ersten Bio-Branchengespräch Mitteldeutschland in Deuben bei Wurzen treffen. Ziel ist eine gemeinsame Positionsbestimmung der drei Länder und die Erarbeitung von Konzepten für die weitere Entwicklung des ökologischen Landbaus in Mitteldeutschland.

Erfurt, 25.11.08: Der Ökolandbau befindet sich in einem Dilemma: Die Umstellung konventioneller Betriebe konnte mit der Entwicklung der Nachfrage nicht mithalten. Die Folge: Immer mehr Bioprodukte werden importiert, zum Teil von sehr weit her. Und der umwelt- und gesundheitsbewusste Bio-Käufer fragt sich: Ist das alles wirklich Bio und wie ökologisch sind Bio-Zwiebeln aus Südamerika wirklich?

Um dem drohenden Vertrauensverlust zuvor zu kommen, beraten Experten aus der Bio-Szene am Mittwoch Strategien zur Weiterentwicklung des Ökolandbaus in Mitteldeutschland. Denn ohne Zweifel reicht die gegenwärtige Umstellung von konventionellen Flächen nicht aus, um den Bedarf am Markt zu decken.

"Wir haben die Landesregierung schon vor Jahren darauf aufmerksam gemacht, dass die Umstellungsförderung in Thüringen nicht ausreicht", bewertet Agrarexperte und Landessprecher von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, Dr. Frank Augsten, die Situation. "Obwohl bereits damals der Bio-Boom am Markt absehbar war, hat Thüringen in den wichtigsten Bereichen die Umstellung vernachlässigt und stattdessen die sogenannte Beibehaltung vorbildlich gefördert. Damit wurde die Chance zur Partizipation an einem wachsenden Markt verspielt."

Erst im letzten Jahr wurde die Umstellungsförderung in Thüringen heraufgesetzt, inzwischen liegt der Freistaat im oberen Drittel der Bundesländer. Für den Nachfrageboom kommt diese Entscheidung zu spät. Über diese und andere Probleme werden die Experten in Deuben beraten, wobei regionale Wertschöpfung und die Zusammenarbeit zwischen den drei Ländern im Fokus stehen werden.

"Aus meiner Arbeit als Geschäftsführer des Ökolandbau-Fördervereins Thüringer Ökoherz weiß ich, dass viele Bio-Landwirte die ungenügenden Verarbeitungskapazitäten im Freistaat kritisieren. Wenn jemand zum Beispiel Bio-Gemüse erzeugt, dann kann er nicht von einigen Monaten Frischeangebot leben, er braucht die Verarbeitung zu Konserven und Tiefkühlware in seiner Nähe", so Augsten weiter. "Wir fordern die Landesregierungen der drei Bundesländer auf, in diesem Bereich genauso innovativ und förderfreudig zu sein wie in vielen Zukunftsbranchen der Industrie."

Dr. Augsten wird beim Bio-Branchengespräch mit einem Beitrag "Wertschöpfungskette regional versus global" als Referent vertreten sein.


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