Grüne: Landesregierung rechnet ICE-Strecke mit falschen Zahlen schön
Astrid Rothe-Beinlich: Ministerium will mit plumpen Wahlkampftricks die eigenen Versäumnisse verschleiern
In einer kürzlich vom Thüringer Ministerium für Bau, Landesentwicklung und Medien veröffentlichten Pressemitteilung werden vermeintliche Reisezeitvorteile für die Städte Jena und Weimar nach Eröffnung der Neubaustrecke (NBS) durch den Thüringer Wald genannt.
Die Thüringer Bündnisgrünen weisen darauf hin, dass die angeführten Fahrzeiten im Falle Jenas nachprüfbar falsch sind und im krassen Widerspruch zu den Planungen stehen.
Dazu erklärt Spitzenkandidatin Astrid Rothe-Beinlich:
"Die Landesregierung rechnet mit Reisezeitverkürzungen von 90 Minuten zwischen Jena und München, wenn die Fahrt ab 2017 nicht mehr direkt über den Frankenwald geht sondern die JenenserInnen den Umweg über Erfurt nehmen müssen. Es ist nicht nachvollziehbar, wie das Ministerium auf solche Werte kommt. Sie stehen im krassen Widerspruch zu den offiziellen Angaben in Planungsunterlagen der Deutschen Bahn; dies kann jeder nachprüfen. Die 90 Minuten Fahrzeitersparnis sind gegen die Gesetze der Physik. Bestenfalls ergibt sich eine vergleichbare bzw. leicht verlängerte Fahrzeit von Jena in die bayerische Landeshauptstadt.
Auch die Bahnfahrt von der Saale an die Spree wird nicht um 20 Minuten schrumpfen, wie von der Landesregierung behauptet, sondern mit Umsteigen künftig sogar etwas länger dauern.
Offensichtlich will die Landesregierung von den eigenen Versäumnissen beim Thema Fernverkehrsanbindung des Landes ablenken. Die Städte, die ab 2017 von der Abkoppelung im Fernverkehr betroffen sind, sollen nunmehr mit nachprüfbar falschen Zahlen vom Nutzen der NBS überredet werden. Auf diesen plumpen wie hilflosen Wahlkampftrick von Minister Wucherpfennig wird sicherlich niemand reinfallen.
Dabei hat die Landesregierung 2002 die Wirkungen der ICE-Strecke in einer Studie der Fachhochschule Erfurt selbst untersuchen lassen. Ergebnis: Vor allem für Ostthüringen ergibt sich keine Verbesserung hinsichtlich der Erreichbarkeit.
Bezeichnend ist auch, dass sich das Verkehrsministerium offenbar nicht mehr für den Fernverkehr durch das Saaletal über Jena stark machen will. Warum sonst wird schon jetzt der Umweg über Erfurt angepriesen?
Für uns Bündnisgrüne ist der Gedanke an einen Fernverkehrsknoten Erfurt über den das ganze Land Anschluss an den Fernverkehr auf der Schiene bekommen soll, völlig abwegig. Bestehende Direktverbindungen entfallen und Umwege über Erfurt muss der Fahrgast teuer bezahlen. Wir brauchen auch in Zukunft vertaktete Fernverkehrsangebote die das ganze Land erschließen und Städte wie Weimar und Jena anbinden. Eine neue Landesregierung wird daher die Weichen anders stellen müssen."
Stefanie Dolling
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