"Kinder aus armen Familien sind nicht weniger schlau"
Katrin Göring-Eckardt redet im Max-Weber-Kolleg zu Familienpolitik
Einen spannenden und auch heiteren Abend erlebten etwa fünfzig Zuhörer am 25. Juni im Erfurter Max-Weber-Kolleg. Katrin Göring-Eckardt war von Professor Hans Joas eingeladen worden, um zur Familienpolitik zu sprechen. Wo sonst Philosophen und Soziologen Vorträge halten und diskutieren, wurde an diesem Tag einer Politikerin die Möglichkeit gegeben, vor einem überwiegend wissenschaftlichen Publikum zu sprechen.
Hans Joas begrüßte die Grüne als eine Politikerin, die zuhören könne und sich "abwägend, fair und nachdenklich" engagiere, auch wenn – wie er augenzwinkernd hinzufügte – Politiker häufig diejenigen seien, die zweimal redeten, bevor sie einmal nachdenken würden.

Katrin Göring-Eckardt spricht im Max-Weber-Kolleg.
Katrin Göring-Eckardt nahm dieses Wort gern auf, um deutlich zu machen, dass sie – nicht nur aber besonders intensiv – über die aktuellen Fragen der Familienpolitik nachdenke und Lösungsansätze diskutiere, bevor sie diese, wie im Rahmen dieses Vortrags, der Öffentlichkeit vorstelle.
In ihrer Rede "Nach Eva-Prinzip und Methusalem-Komplott – Aktuelle Fragen zur Familienpolitik" ging sie zu Beginn auch selbstkritisch auf ihre eigene Partei ein, die sich sehr lange vor diesem Thema gescheut habe. Von Männern ihrer Partei habe sie sich so lange bestimmte Kommentare dazu anhören müssen, bis diese schließlich selbst eine Familien gegründet hätten. Sehr spät habe man erkannt, dass der Begriff "Familie" nicht zwangsläufig ein Gegensatz zu Emanzipation und Feminismus stehen müsse.
Weiterhin sprach sie über den heutigen Familienbegriff und präsentierte Vorschläge, wie etwa mit dem demografischem Wandel, der Abwanderung vor allem junger und gut ausgebildeter Frauen oder der Chancengleichheit für Kinder aus sozial schwachen Familien umgegangen werden müsse.
Eine Möglichkeit ist für sie da die sogenannte Kinderfreizeitkarte: Ein Gutschein, mit dem Kinder aus sogenannten bildungsfernen Milieus die Möglichkeit bekommen sollen, zum Beispiel Musikunterricht oder Sportvereine zu besuchen, um damit ihre Talente zu fördern. Zu häufig wäre in bestimmten Familien die Schwelle zu hoch, den Kindern auch kostenpflichtige Angebote für ihre Freizeit zu ermöglichen. Zu viele Talente gingen so verloren. "Ich bin davon überzeugt: Kinder aus armen, bildungsfernen Familien sind nicht weniger schlau oder weniger talentiert" sagte sie und fügte hinzu: "Wir brauchen diese Kinder in Deutschland." Die Kinderfreizeitkarte wäre eine Möglichkeit dafür. Für die Einführung der Karte will sie sich jetzt noch mehr auf bundespolitischer Ebene einsetzen.
Matthias Schröder, 26.06.2007