Landesregierung drängt Naturschutz zurück

Im Rahmen der Artenschutztour der grünen Bundestagsfraktion besuchte Katrin Göring-Eckardt gemeinsam mit Undine Kurth den Nationalpark Hainich. Zum Auftakt wurde der Baumkronenpfad besichtigt, den in diesem Jahr schon fast eine halbe Million Besucher gesehen haben. Auch der Wildkatzenpfad zeigt, wie wichtig der Nationalpark für die Artenvielfalt ist.

KGE_Undine Kurth_Wildkatze

Setzen sich für die Wildkatze ein: Katrin Göring-Eckardt und Undine Kurth

Im Gespräch mit dem Leiter des Nationalparks Walter Kemkes und der BUND-Bundesvorsitzenden Angelika Zahrnt wurde schließlich deutlich, dass Naturschutz nicht an den Grenzen des Parks aufhören kann. Besonders der Austausch zwischen den Biotopen ist noch immer keine Realität – obwohl etwa zwischen dem Hainich und dem Thüringer Wald nur zwanzig Kilometer liegen. Ein Wildwechsel wird hier durch Ackerflächen, Autobahn, und ICE-Trasse verhindert und die Umsetzung eines Biotopverbundes ist bisher nicht in Sicht.

Baumkronenpfad

Der Baumkronenpfad - aber welche Zukunft hat Thüringens Naturschutz?

Im Gegenteil: Mit der derzeitigen Politik der Thüringer Landesregierung wird der Naturschutz immer mehr zurückgedrängt. Habe es Mitte der neunziger Jahre noch ein eigenes Umweltministerium gegeben, wurde in den Folgejahren der Naturschutz innerhalb des Ministeriums immer weiter herabgestuft. Inzwischen gibt es nur noch eine Unterabteilung, die zudem mit dem Bereich Ländlicher Raum zusammengelegt wurde. "Naturschutz gibt es in Thüringen bald nur noch in der offiziellen Bezeichnung des zuständigen Ministeriums" sagt Katrin Göring-Eckardt. "Unter dem Deckmantel Bürokratieabbau wird der Naturschutz in Thüringen immer mehr zurückgedrängt."

Zu Beginn des nächsten Jahres werden auch noch die vier staatlichen Umweltämter aufgelöst – ihre Kompetenz sollen zum Großteil die Kreise selbst übernehmen. "Entscheidende Kompetenzen der Naturschutzbehörden gehen verloren" fahrt die Landessprecherin der Grünen fort. "Die unteren Naturschutzbehörden arbeiten schon jetzt am Limit und es werden immer mehr EU-Vorgaben umzusetzen sein. Der Landesregierung hält den Natur- und Artenschutz in Thüringen für überflüssig. Deshalb wird es Zeit, dass Ökologie wieder als eigenständige Kraft im Landtag vertreten ist. Wenn wirklich über Bürokratieabbau und Verschlankung der Verwaltung nachgedacht wird, muss endlich die überfällige Kreisgebietsreform in Angriff genommen werden."

Matthias Schröder, 13.07.2007