Die Reform der LehrerInnenausbildung – mehr Freiräume für LehrerInnen

"Die Schule sei keine Tretmühle, sondern ein heiterer Tummelplatz des Lebens".(Johannes Amos Comenius, tschechischer Theologe und Pädagoge 1592-1670)
Astrid Rothe-Beinlich zum neuen Lehrerbildungsgesetz für Thüringen
Pressegespräch am 14. November 2007, 11.00 Uhr Landesgeschäftsstelle Erfurt
Die Reform der LehrerInnenausbildung – mehr Freiräume für LehrerInnen
BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN Thüringen streben eine Reform der Lehramtsstudiengänge an, in der sich vom 1.Semester an akademische Ausbildung und Phasen schulischer Praxis abwechseln und aufeinander beziehen.
Außerdem soll das Lehramtsstudium mehr berufliche Perspektiven bieten, als nur den Schuldienst.
Nach dem Studium soll an Stelle des Referendariats eine einjährige Berufseingangsphase folgen. Damit wollen wir den jungen Lehrerinnen und Lehrern, die vom Studium kommen, eine höhere Anerkennung und bessere Partizipationsmöglichkeiten im Kollegium wie gegenüber den SchülerInnen einräumen. Wir wollen den Austausch mit Lehrkräften aus dem europäischen Ausland und mit fortführenden Bildungseinrichtungen.
BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN fordern: Schluss mit dem Beamtentum – gleiche Bezahlung für Lehrerinnen und Lehrer aller Schulformen!
Der Entwurf der CDU Landtagsfraktion stellt fest:
"Der aktuell vorhandene gesetzliche Rahmen reicht nicht aus um eine qualitative Weiterentwicklung der Lehrerbildung zu gewährleisten. Die gegenwärtige Lehrerbildung weist Mängel auf, dies liegt an der Beliebigkeit der Studieninhalte, dem geringen Praxisbezug in der Forschung und Lehre, die fehlenden inhaltlichen und organisatorischen Verbindungen aller Lehrerphasen und die wenigen Möglichkeiten der eigenständigen Weiterbildung." (Gesetzesentwurf ThürLbG)
Die Lösung der CDU Landtagsfraktion sieht ein "drei Phasen" Konzept vor – Studium, Vorbereitungszeit, Lehrfort- und Lehrerweiterbildung, einschließlich Berufseingangsphasen. Diese Phasen sollen stark verflochten sein. Kooperationen zwischen den einzelnen Trägern der Lehrbildung sollen das Konzept stärken und das Konzept abrunden.
BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN positionieren sich dazu wie folgt und formulieren 10 Kernforderungen für ein zukunftsfähiges Lehrerbildungsgesetz:
Eine erfolgreiche LehrerInnenbildung kann auf dem "drei Phasenkonzept" der Landesregierung aufbauen. Auch die Vernetzung der einzelnen Institutionen ist zu begrüßen, der verstärkte Dialog fließt in alle drei Phasen der Lehrerausbildung hinein. Unser Hauptkritikpunkt ist die unterschiedliche Studienzeit, die weder mit Grünen Grundsätzen noch den Ergebnissen sämtlicher Bildungsstudien europaweit übereinstimmen kann. Vor allem das "Ausnutzen" des Bologna-Prozesses für eine verkürzte Ausbildung für Grundschullehrer wird von uns abgelehnt. Gerade Kinder im Grundschulalter benötigen eine qualitativ hochwertige Bildung und vor allem individuelle Förderung von Anfang an. Sie müssen in der Grundschule so erzogen werden, dass sie den Spaß und die Motivation am Lernen nicht verlieren. Nur so wird für sie das "lebenslange Lernen" selbstverständlich und Ansporn sein.
Besonders zielgerichtet geschultes Personal wird dafür benötigt. Mögliche Ansätze könnten verstärkt betreute Praktika in der ersten Phase der Ausbildungszeit sein. Eine Anrechnung auf die zweite Phase ist eine mögliche Option, hierfür müsste aber die Vorbereitungszeiten identisch für alle Studenten sein. Im Gesetzesentwurf beträgt die Vorbereitungszeit für das Grundschullehramt nur 18 Monate für alle anderen Studiengänge wird eine Zeit von 24 Monaten vorgeschlagen.
Das verkürzte Grundschulstudium erweckt den Eindruck, dass es nicht gleichrangig mit anderen Lehrstudiengängen ist und somit unzureichend ausgebildete Lehrer unterrichten dürfen. "Kleine Kinder kleines Studium – große Kinder großes Studium"
Ein ähnliches Problem gibt es bei der Sonderpädagogik, auch hier wird zu wenig für die praktische Erfahrung getan – eine zu kurze Vorbereitung auf das Berufsleben, erschwert den Berufseinstieg.
Deshalb fordern wir:
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feste Ausbildungszeit für alle Studiengänge
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für besonders anspruchsvolle Schulberufe, wie die Grund- und Sonderpädagogiklehrer, sollte es länger vorbereitende Praktika geben
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die zweite Phase der Lehrausbildung sollte für alle Lehrämter gleich sein
Die Universitäten sind im Entwurf der Landesregierung schlechter gestellt als früher – sie haben keinerlei Handlungsspielraum bei der Gestaltung der Studiengänge. Gerade die Universitäten sind es aber, die durch die Forschung und Lehre frühzeitige Verbesserungen am Ausbildungsprozess der Lehrerinnen und Lehrer erkennen und Veränderungen in der schulischen Entwicklung wahrnehmen können. Durch die Beschränkung auf 15% (ursprünglich vorgesehen waren 10%) Individualgestaltung des Studiums gehen stellenweise Forschungs- und Lehranreize verloren. Gerade ein fächerübergreifender Blick wird somit ausgeschlossen. Diese Reglementierung lehnen wir strikt ab. Universitäten sind durchaus in der Lage den sinnvollsten Studiengang(-plan) selbst zu gestalten.
BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN regen zudem an, ähnlich wie in den USA, die Lehrerinnen und Lehrer für die Fortbildung nochmals an die Universitäten zu schicken, somit könnte ein starker und sinnvoller Austausch zwischen Aus- und Weiterbildung erfolgen.
Daraus ergeben sich folgende Forderungen:
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Universitäten autonomer stellen
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Studiengestaltung den Universitäten überlassen
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Lehrerfortbildung in Universitäten ansiedeln – Praxisnähe schaffen
Durch das Umsetzen des Bolognaprozesses entstehen neue (offen gelassene) Besoldungsfragen, da das Grundschullehramt für den Bachelor-Studiengang geöffnet wird. Somit entsteht die Gefahr, dass Lehrerinnen und Lehrer schlechter bezahlt werden als früher. Auf Dauer leidet darunter der Studiengang für Grundschullehrerinnen -lehrer, denn dieser wird unattraktiver. Ein weiterer Punkt hierbei ist der Vorbereitungsdienst. Dieser findet weiterhin unter Berufung auf das Beamtenverhältnis statt. Durch die Berufung als "Lehramtsanwärter" erhalten diese einen Sold von 982,80€ bzw. 1010,52€ brutto! Resultierend ist ein Lohn, der unter den auch von uns geforderten Mindestlöhnen liegt. Durch die Berufung ergibt sich zusätzlich ein unnötiger Zwang zur privaten Versicherung und somit weitere finanzielle Einbuße.
BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN wollen das Beamtentum grundsätzlich nur noch für hoheitliche Aufgaben, wie bestimmte Bereiche der Polizei, Rechtspflege und Finanzverwaltung.
LehrerInnen wie HochschulprofessorInnen sollen künftig keine Beamten mehr sein. Wir wollen den Beamtenstatus für Lehrende durch ein Dienstrecht ersetzen, das zusätzliches Engagement belohnt und Aufstiegsperspektiven beinhaltet. Lehrerinnen und Lehrer sollen künftig zudem, egal in welcher Schulform sie unterrichten, gleich bezahlt werden. Damit käme es auch endlich zur Gleichstellung der Lehrenden an staatlichen und freien Schulen.
Wir wollen:
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Besoldungsfragen klären – gleiche Bezahlung für alle LehrerInnen
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im Vorbereitungsdienst einen Sold zahlen der mindestens dem Mindestlohn entspricht – und die Arbeit der Lehrerinnen und ehrer würdigt
Kritisch beurteilen BÜNDNIS90/DIE GRÜNEN die dritte Phase der Lehrerfortbildung. Zunächst ist völlig unklar, welche Rolle das Institut für Lehrerfortbildung, Lehrplanentwicklung und Medien spielt, das vom Bruder von Ministerpräsident Althaus geleitet wird - Herr Dr. Bernd Uwe Althaus. Es besitzt unnötig viel "KompetenzKompetenz" und steuert die ganze Lehrerfortbildung. Beispielsweise benennt nur das Institut die Stellen für die Lehrerfortbildung, ist aber zugleich selbst eine Stelle. Somit wird offensichtlich, dass das Institut sich nicht der eigenen Arbeit "beraubt". Ein weiterer Aspekt ist die Zielsetzung der dritten Phase. So heißt es "Ziel ist es, sich ein weiteres Unterrichtsfach sich anzueignen". Viel sinnvoller wäre eine Fortbildung, die neue Möglichkeiten innerhalb der Pädagogik und neue (technisch) didaktische Hilfsmittel aufgreift. Eine derartige Fortbildung wäre weitaus sinnvoller, als das Primärziel einem künstlichen "Zwang" ausgesetzt zu sein, sich ein weiteres Unterrichtsfach anzueignen statt pädagogisch-didaktische Fähig- und Fertigkeiten auszubauen und ein Hauptaugenmerk auf den Umgang mit Heterogenität in den Klassen und individuelle Förderung zu legen. Wir wollen die Fortbildung am sinnvollsten in den Universitäten ansiedeln. Dies impliziert zudem einer Kostenreduzierung.
Daraus ergeben sich die Forderungen:
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Beschränkung des Instituts für Lehrerfortbildung, Lehrplanentwicklung und Medien
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Änderung der Zielsetzung in der LehrerInnenfortbildung