Zukunftsperspektiven von Schulen freier Träger

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Podiumsdiskussion am Freitag, den 21.11.2008 im SAS in Erfurt

Im Rahmen des jährlichen Bundeskongresses des Verbandes Deutscher Privatschulverbände e.V. (VDP) fand am Freitag, den 21. November 2008 eine Podiumsdiskussion statt, zu der sich der VDP VertreterInnen von Thüringer Parteien und Fachleute aus dem Bildungsbereich eingeladen hat.

Martin Wilde, Landesvorsitzender des VDP Sachsen-Thüringen, leitete in die Diskussion ein, indem er die finanzielle Unterstützung der Landesregierung für Träger freier Schulen kritisierte: "Wir, die Träger freier Schulen, leisten 100% Schule, warum erhalten wir nicht auch 100% finanzielle Unterstützung?"

Martin Hoyer, Paritätischer Wohlfahrtsverband, machte deutlich, dass sein Verband grundsätzlich für Offenheit, Vielfalt und Toleranz stehe. Die Menschen sollten die Möglichkeit haben, ihr Lebensumfeld selbst zu gestalten, deshalb sieht der Paritätische Wohlfahrtsverband das Modell der sogenannten "Bürgerschule" als das optimale an. "Ein gut aufgestelltes Bildungssystem ist nachhaltige Armutspolitik", so Martin Hoyer. Mit diesem Bürgerschulmodell sollen Schulen aus den zentralisierten und bürokratischen Strukturen herausgelöst werden. Das würde zu einer Selbstverantwortung der Schule und einer Einbindung des Sozialwesens führen. Hoyer stellte als Forderung auf, dass die Finanzierung für alle Schulträger gleich geregelt werden muss. Weiterhin machte er sich für Schulgutscheine stark.

Dr. Dieter Dohmen, Inhaber und Direktor des FiBS und als Wissenschaftler und Berater tätig, forderte Hochschulzugänge für alle: "Bildung ist der Schlüssel der Zukunft." Im Moment starte jeder Sechste seine Laufbahn ohne Hauptschulabschluss und/oder ohne Berufsausbildung. Dr. Dohmen betonte, dass die Menschen grundsätzlich höher qualifiziert werden müssten. In der Bildung sollten Flexibilität und Durchlässigkeit einen hohen Stellenwert einnehmen. Nach Aussage von Dohmen müsste eine Qualifizierung jederzeit und nebeneinander möglich sein. Der flexible Wechsel zwischen Ausbildungsformen sollte zur Tagesordnung gehören. Großen Wert legt Dr. Dohmen auf die stärkere Einbeziehung von Bildungsschwachen. Grundsätzlich dürfe der Bildungsgrad der Eltern nicht die Grundlage sein. Dr. Dohmen sprach sich genauso wie BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN für eine frühkindliche Bildung von Anfang an aus. "Wir leben zur Zeit vom Bildungsbogen der 50-60jährigen. Wir investieren im Moment in viel Schrott, notfalls auch in Beton, aber nicht in die Köpfe", betonte Dr. Dohmen abschließend.

Hans-Jürgen Döring, MdL, Bildungspolitischer Sprecher der SPD-Fraktion, sprach sich für Bildungsgutscheine, für eine frühe und individuelle Förderung und für Ganztagsangebote aus. Es sollte seiner Ansicht nach eine Schule mit neuer Lernkultur geben, dafür müssten allerdings die Rahmenbedingungen hergestellt werden.

Michael Büchler, Präsident des VDP, sprach sich ebenfalls für Bildungsgutscheine aus, jedoch unter der Voraussetzung, dass Eltern ein tatsächliches Wahlrecht haben.

Die Frage, "Wieviel dem Staat ein Kind wert ist?" beantwortete Volker Emde, MdL CDU-Fraktion, folgendermaßen: "Es gibt kaum ein Bundesland, das soviel Geld in die Bildung steckt wie Thüringen." Die Ausgaben lägen in Thüringen im Vergleich deutschland- und weltweit sehr hoch.

Dem konnte Astrid Rothe-Beinlich, Landessprecherin und Mitglied im Bundesvorstand von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, nur widersprechen. Denn in Thüringen sind nicht alle Kinder gleich viel wert. Hier wird schon frühzeitig auf Kosten der Kinder selektiert. Freie Schulen sind völlig unterfinanziert. Von Kontinuität könne man gar nicht reden. "Wir sind in Thüringen weit entfernt von gleichen Rahmenbedingungen. Die Lobby für freie Schulen fehlt in Thüringen schlichtweg", kritisierte Astrid Rothe-Beinlich.

Eine etwas ungewöhnliche Ansicht, die zur Unzufriedenheit der Anwesenden führte, vertrat Michaele Sojka, MdL, Bildungspolitische Sprecherin der Fraktion die LINKE. Für sie stellten freie Schulen Laboratorien dar. Privatschulen, die gewinnorientiert wirtschaften, bedürften keiner staatlichen Unterstützung. Michaele Sojka wünscht sich für Thüringen keine niederländischen Verhältnisse. Staatliche Schulen seien hingegen gute Schulen, an denen man nichts bezahlen muss.

Uwe Barth, Landesvorsitzender FDP, sieht Privatschulen nicht nur als Ergänzung, sondern als Bestandteil des Bildungssystems an. Bildung sei eine Aufstiegschance.

Die abschließende Frage an Volker Emde, warum in Thüringen die freien Schulen von der Landesregierung nur 60-70% finanziell unterstützt würden, konnte Emde nicht befriedigend beantworten. Für ihn sei alles nur eine Frage der Definition.

"Für die Schulen in freier Trägerschaft muss demzufolge dringend eine Anhebung der nur unzureichenden Finanzierung erfolgen. Besonders drastisch zeigt sich dies bei den Förderschulen für geistig und  körperlich Behinderte, die der Freistaat gern in freie Trägerschaft übergeben hat, aber nur mäßig für sie zahlt, obgleich diese Schulen  oftmals die einzigen Einrichtungen für Betroffene sind, die es im  Landkreis gibt. Damit übernehmen etliche Träger schon jetzt allein den Bildungsauftrag– werden aber im Schnitt nur etwa zu 65% finanziert und das obwohl diese gar nicht berechtigt sind, Schulgelder zu erheben oder  Maßnahmen zur Quersubventionierung durchzuführen, um eine qualifizierte Arbeit zu gewährleisten. Freie Schulen, die allen unabhängig vom Einkommen der Eltern offen stehen bereichern unsere Bildungslandschaft und stehen für Pluralität. Und dies sollte auch Thüringen als Chance sehen, denn: Köpfchen sind unser Kapital", so Astrid Rothe-Beinlich abschließend.

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