Nachlese zur Veranstaltung „Nachhaltige Forstwirtschaft und Biomassenutzung“ in Bad Frankenhausen“

Zum Thema "Nachhaltige Forstwirtschaft und Biomassenutzung" haben der Kreisverband Kyffhäuserkreis und der Thüringer Landesverband von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN zur Fachveranstaltung am 16. Februar in das Regionalmuseum im Schloss von Bad Frankenhausen eingeladen. Der Landessprecher der Thüringer Bündnisgrünen, Dr. Frank Augsten, begrüßte alle Anwesenden und hob die Rolle der Forstwirtschaft für Thüringen hervor. Schließlich gehört Thüringen mit einem Waldanteil von 33 Prozent an der Landesfläche zu den waldreichen Ländern der Bundesrepublik Deutschland und wird nicht zu unrecht als "Grünes Herz" bezeichnet. Allein diese Tatsache zeigt, welche große Bedeutung der Wald für den Naturhaushalt und für die Gesellschaft hat. Er appellierte an die VertreterInnen der BI Kyffhäuserwald im Publikum möglichst viele Anregungen im Rahmen der Diskussion dem Landes- und Kreisverband auf dem Weg mitzugeben.
Nach der Begrüßung durch Frank Augsten hat die Sprecherin für Waldpolitik der Bundestagsfraktion von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, Cornelia Behm, in ihren Vortrag dafür geworben, dass das "Kraftwerk Wald" zur nachhaltigen Nutzung einen soliden Rechtsrahmen braucht. Sie stellte klar, dass dazu eine Novelle des Bundeswald- und Jagdgesetzes notwendig ist. "Beides gehört zusammen", betonte sie. Um die biologische Vielfalt zu sichern und zu erhalten benötigen wir überall naturnahe Wälder. Zurzeit sind 65 Prozent der Wälder in Deutschland nicht naturnah. Dabei sind ökologische Mindeststandards festzusetzen. Dazu gehören der Verzicht auf Kahlschlag, kein flächenhaftes Befahren, keine Monokulturen, ein Mindestanteil an Alt- und Totholz, der Grundsatz Wald vor Wild und ein grundsätzlicher Verzicht von Pflanzenschutzmitteln und Düngern. Ebenso müssen Handlungsblockaden durch eine Novellierung des Bundeswaldgesetzes gelöst werden. Die Abgrenzung von Agroforstsystemen zu Wald ist neu zu regeln, um das gewachsene Interesse an Agroforstsystemen möglich zu machen. Ebenso ist die bisherige Verkehrssicherungspflicht zu lockern und der forstwirtschaftliche Zusammenschluss von wirtschaftlichen Betrieben zu erleichtern.

v.l.n.r. Roberto Kobelt, Dr. Christof Oldenburg, Dr. Frank Augsten, Cornelia Behm und Dr. Andreas Niepagen
Die Frage "(Un)endlich viel Holz? – Wald in Kontext mit Erneuerbaren Energien" hat der Forstexperte Dr. Christof Oldenburg in den Mittelpunkt seines Vortrages gestellt. Wichtige Aspekte seines Vortrags waren: Die Baumarten Fichte und Kiefer sind ökonomisch attraktiv und wurden in der Vergangenheit verstärkt angebaut und gehören somit zu unseren Hauptbaumarten. Sie haben dafür aber besonders viele ökologische Risiken. Die Buche hat eines ihrer Schwerpunktgebiete in West und Nord-Thüringen. 1/3 der Buchenbestände sind über 120 Jahre alt, betonte Oldenburg.
Beim Holz geht der Trend langfristig zum Schwachholz. Das Nutzungspotenzial geht mit steigenden Energiepreisen nach oben. Die Nachfrage nach Energieholz leistet einen wichtigen Beitrag bei der Nutzung von Erneuerbaren Energien, ist aber nicht unendlich. Wesentlich über die Nutzungsform des Waldes entscheidet der Waldeigentum. Holz bietet eine große Chance für die Wärmeversorgung in ländlichen Regionen. "Für den Privatverbrauch sind Holzvergaserheizungen nach modernster Bauart zu verwenden", so Oldenburg. Großkraftwerke zur Stromversorgung sind nach seiner Meinung nicht rentabel. Die großen Stromversorger wollen sich damit vielmehr ein "grünes Abzeichen" verleihen.
Vortrag von Dr. Christof Oldenburg
Roberto Kobelt, Energiepolitischer Sprecher der Thüringer Bündnisgrünen hat in seinem Vortrag hervorgehoben, dass der Klimawandel zu einem Umdenken in der Forstwirtschaft führen muss. Auch der Rohstoff Holz kann einen Beitrag im Rahmen der Biomassenutzung leisten. Wälder liefern den umweltfreundlichen, nachwachsenden Rohstoff Holz und bieten damit den Menschen im ländlichen Raum Arbeitsplätze und Einkommen. Je knapper und teurer Erdöl wird, wächst das Interesse an der Holznutzung. Wenn kritisch zu bewertende Holzimporte vermieden werden sollen, wird daher in Zukunft mehr Holz aus unseren Wäldern mobilisiert werden müssen. "Dabei gilt es regionale Kreisläufe zu stärken. Beim öffentlichen Ausschreibung ist darauf zu achten, das beispielsweise Holzfenster statt Plastikrahmen zur Verwendung kommen", so Roberto Kobelt.

Zu Beginn der anschließenden Podiumsdiskussion hat sich Dr. Andreas Niepagen von der Forstinspektion Nord für eine Kontinuität in der Bewirtschaftung ausgesprochen. Nach seinen Angaben wurden im Winter 2007/2008 nicht mehr Abholzungen in den Thüringer Forsten als sonst vorgenommen. Pläne große Waldflächen stillzulegen, steht er skeptisch gegenüber. Seine Vorstellung ist, im Wirtschaftswald mehr Naturschutz zu gewährleisten. Er sieht die Forstverwaltung als Partner für Bürger und Politik.
Cornelia Behm hat in der Podiumsdiskussion nochmals darauf verwiesen, dass 65 Prozent des Waldes nicht naturnah sind. Waldnutzer die nach ökologischen Standards handeln, müssen für ihre gesellschaftliche Leistung belohnt werden, stellt Behm klar. Rückegassen zur Holzernte von 20 m Abstand sind zu gering, kritisierte sie weiter. Roberto Kobelt verwies darauf noch mehr als bisher Holz aus der Region zu nutzen.
Abschließend lässt sich sagen, das angesichts der durch Klimawandel bedingten Zunahme von Extremwetterlagen die Wälder stabiler und vitaler werden müssen. Stabilität der Wälder kann nur durch die biologische Vielfalt geschaffen werden. Dafür ist es notwendig, naturnahe Wälder auf der Basis von standortheimischen Baumarten in ihrer natürlicher Vielfalt und Bäumen unterschiedlichen Alters aufzubauen und diese Wälder nachhaltig und naturnah zu bewirtschaften und zu nutzen.