WissenWasWirkt: Campustour der Heinrich-Böll-Stiftung an der TU Ilmenau

Im Rahmen der Campustour "Wissen Was Wirkt" der Heinrich-Böll-Stiftung hat am 29. April 2009 ein Hochschultag an der Technischen Universität (TU) Ilmenau zum Thema Klima und Energie stattgefunden. Zu Beginn begrüßten die Landessprecherin von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN Thüringen, Astrid Rothe-Beinlich und der Rektor der TU Ilmenau, Prof. Dr. Peter Scharff alle Interessierten und Gäste. Ein besonders Dankeschön richtete Astrid Rothe-Beinlich an die Herinrich-Böll-Stiftung Thüringen und die Grüne Hochschulgruppe Ilmenau. Beide haben in Kooperation mit der TU Ilmenau den Hochschultag organisiert.

Der Rektor der TU Ilmenau Prof. Dr. Scharff und die Spitzenkandidatin zur Landtagswahl und Landessprecherin der Thüringer Bündnisgrünen Astrid Rothe-Beinlich eröffneten den Hochschultag.
Prof. Dr. Peter Scharff stellte in seiner Begrüßungsrede heraus, dass das Thema Energie ein Schwerpunkt an der Hochschule ist, sei es wenn es um die Energieerzeugung, die Energieverteilung oder die Energieumwandlung geht. Die TU leistet einen wichtigen Beitrag für die Zukunft. Astrid Rothe-Beinlich unterstrich, dass es wichtig ist, das solch eine Debatte an der Uni stattfindet und wünschte allen TeilnehmerInnen und ExpertInnen einen spannenden und erfolgreichen Tag.
Hans-Josef Fell, Energieexperte der grünen Bundestagsfraktion, lobte die tolle Arbeit der Uni Ilmenau. Sie habe eine guten Ruf, der auf eine gute Basis baut. Klimaschutz ist das Thema der Zeit, stellte er in seiner Rede eindrucksvoll dar. Alle Regionen auf der Welt können sich in Zukunft über Erneuerbaren-Energien versorgen. Das Erneuerbare Energien Gesetz (EEG) ist ein Gesetz für den Klimaschutz und zugleich ein Gesetz das Arbeitsplätze schafft. An folgenden Zahlen wird dies eindrucksvoll deutlich: vor 1998 haben lediglich 30.000 ArbeitnehmerInnen im Erneuerbaren Energiensektor gearbeitet. Heute sind es bereits 280.000. Keine andere Branche kann so ein Potenzial aufweisen. Diese Gesetz ist keine Belastung für die Zukunft, sondern führt zu einer Entlastung durch die Förderung und den Ausbau der Erneuerbaren Energien.
Die Missachtung der ökologischen und sozialen Verhältnisse hat zum Zusammenbruch geführt. Doch zurzeit wird fälschlicher Weise der Klimaschutz und die Energieversorgungssicherheit separat zur aktuellen Wirtschaftskrise diskutiert. Zusammenhänge werden nicht im Ganzen gesehen. 80 Prozent des Weltenergieverbrauchs werden aktuell durch fossile Energieträger gedeckt. Lediglich 2,2 Prozent trägt die Atomenergie zum Weltenergieverbrauch bei. Eine Winzigkeit, die ein Risiko mit unüberschaubaren Folgen darstellt. Sowohl die Atomenergie, als auch die Energiegewinnung aus Kohle und Öl sind Energien der Vergangenheit. Die Erneuerbaren Energien können den weltweiten Bedarf bei gleichzeitiger Energieeinsparung decken, stellte Fell in vielen Grafiken eindruckvoll dar. Die Windenergie hat längst den Ausbau der Atomenergie überholt. "In jeder Region der Erde gibt es genügend Energie, um sich mit Erneuerbaren Energien zu versorgen", so Hans-Josef Fell.
Auf die Kompetenzen der Deutschen Energiewirtschaft ist keine großer Wert zu legen. Mehr als 4 Prozent Strom aus Erneuerbaren Energien ist in Deutschland nicht möglich, so lautete die Prognose 1994. Schon heute liegen wir bei rund 15 Prozent. BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN haben sich 43 Prozent bis 2020 als Ziel gesetzt. Das kann und muss gelingen, wenn es in allen Regionen gemacht wird. Dazu braucht es aber einer konsequenten Politik auf allen Ebenen. Das Erneuerbaren Energiengesetz war dabei ein wichtiger Meilenstein. Bereits jetzt schon hat es zu 17 Mrd. Euro an Vermeidungskosten geführt. Der Gewinner ist die Gesellschaft, die Verlierer sind die Mineralölwirtschaft und die Energiekonzerne. Letztere versuchen weiterhin mit viel Geld die Atomkraft zu vermarkten. Doch bisher konnten die Widerstände überwunden werden.

Die Vielfalt an Erneuerbaren Energien ist eine Chance für Ilmenau und alle Kommunen, so das Resümee des Vortrags.
Was die Klimakommune Eisenach bisher erreicht hat und sich für die Zukunft vorgenommen hat, zeigt Ralf Päsler mit seinem Vortag. Schwerpunkt dabei waren die Bausteine für einen nachhaltigen kommunalen Klimaschutz. Dazu zählen ein "Runder Tisch Klimaschutz, als kommunale Plattform der wichtigsten Akteure, ein kommunales Energiemanagement, die Erstellung eines Energieberichtes, der Ausbau der Erneuerbaren Energien sowie der Dialog mit der Wirtschaft. Ein gutes Beispiel ist der Städtische Bauhof. Dort befindet sich ein Bürgersolarpark, der ausschließlich von Bürgern finanziert worden ist. In einen weiteren Projekt mit der Fachhochschule Erfurt, soll der CO2-Verbrauch um 40 Prozent reduziert werden. Für jede Kommune gilt das gleiche Prinzip: Wo sind die Potenziale?, Wo sind die Partner?. Dabei ist eine Kombination aus Sonne, Wind, Erdwärme und Biomasse wichtig. Um die Kommunen zu unterstützen, muss Thüringen endlich handeln. Bisher kam von Seiten der Landesregierung nur heiße Luft.
Dirk Admas, Erfurter Stadtrat und Spitzenkandidat für die Landtagswahl der Thüringer Bündnisgrünen kann davon ein Lied singen. Um Erfurt gibt es eine sehr gute Situation an Solarfirmen. Doch nach Solaranlagen auf Erfurter Dächern muss man lange suchen. Weder der neue Hauptbahnhof, noch auf dem Messegelände und anderswo worden Solaranlagen bei der Planung und Umsetzung miteingeplant. Versäumnisse, die niemand im Blickfeld hat.
Auch die TU Ilmenau ist nicht Bauherr und Eigner ihrer der Liegenschaften der Technischen Universität. So hat auch dort das Staatshochbauamt keine Solaranlage beim Bau der Gebäude eingeplant. Dies passt zu der Aussage von unseren Wirtschaftsminister Reinholz, der der Meinung ist, dass sich Fotovoltaik für Thüringen nicht lohnt. Wir sind der Meinung, dass Land muss bei der Anwendung eine Vorreiterrolle einnehmen. Zurzeit stellt sich der Freistaat ein Armutszeugnis aus. Auf den Liegenschaften des Landes, außer dem Thüringer Landtag, gibt es keine Solaranlagen. Eigentlich müsste die Landesregierung eine Vorbildfunktion einnehmen, um die BürgerInnen für Erneuerbare Energie zu begeistern.
"Innerhalb von 10 Jahren haben sie ihre Solaranlage bezahlt, nicht über ihr Kapital, sondern über Sonnenschein", machte Fell Mut. Jeder Bürger hat Zugang zu Erneuerbaren Energien. Die Politik hat die Aufgabe Möglichkeiten zu schaffen, damit die BürgerInnen dazu befähigt werden.

Teilnehmer der Diskussionsrunde: v.l.n.r. Hans-Josef Fell (MdB B90/DIE GRÜNEN, Energiepolitischer Sprecher der Bundestagsfraktion), Prof. Dr. Peter Scharff (Rektor TU Ilmenau), Prof. Dr. Gerhard Gobsch (FG Experimentalphysik I, TU Ilmenau) und Prof. Bley (Solar-Dorf Kettmannshausen e.V.)

v.l.n.r. Dirk Adams (Spitzenkandidat für die Landtagswahl und Erfurter Stadtrat), Hermann Töpfer (Geschäftsführer IWG Wohnungsbaugenossenschaft Ilmenau), Ludwig Trabert (Geschäftsführer Stadtwerke Ilmenau) und Ralf Päsler (Referent der Baudezernentin der Stadt Eisenach)